Wale, Delfine und die Fischerei

Der größte Feind von Walen und Delfinen weltweit ist die Fischerei. Hunderttausende Meeressäuger ersticken jährlich qualvoll in den Netzen vor allem industrieller Fischfangflotten. Die Überfischung der Meere führt auch bereits zu Nahrungsknappheit für einige Delfinpopulationen. Einige ihrer Körper weisen Spuren von Netzen auf. Doch diese Körper repräsentieren nur einen minimalen Teil der Tausenden Tiere, die im offenen Meer verenden – und spurlos verschwinden. Die Fischerei ist in jedem Ozean weltweit ein Problem für Wale und Delfine, jedoch variieren das Ausmaß der Gefahr, die betroffenen Arten und die involvierten Fischereien von Region zu Region.

Beifang ist definiert als die unbeabsichtigte Entnahme von Fischen und anderen Tieren im Zusammenhang mit kommerziellen Fischereiaktivitäten. Der Großteil des Beifangs wird ins Meer zurückgeworfen, entweder bereits tot oder tödlich verletzt. Es handelt sich dabei um zu kleine oder junge Fische wie auch Meeresschildkröten, Meeressäuger, Vögel und andere marine Wildtiere. Heute wird Beifang als großes Problem in vielen Teilen der Erde anerkannt.

Weltweit sterben Schätzungen zufolge jährlich 300.000 Wale und Delfine in Netzen. Das Beifang-Problem stellt in einigen Regionen für die Erhaltung von Waltieren eine große Gefahr dar – zum Beispiel im Nordostatlantik oder der Ostsee.
Im Nordatlantik verenden am häufigsten Gemeine Delfine und Schweinswale in Netzen. Doch auch jegliche Beifänge der küstennah lebenden kleinen Populationen Großer Tümmler sind aus Artenschutzperspektive kritisch, da diese Populationen aus sehr wenigen Individuen bestehen. Der Vaquita im Golf von Kalifornien gilt als vom Aussterben bedroht. Die größte Gefahr für den Vaquita geht ebenfalls von den Fischereiaktivitäten in der Region aus.

Hohe Beifangraten von Gemeinen Delfinen weisen die pelagischen Schleppnetzfischerein wie beispielsweise die britische paarweise Schleppnetzfischerei (Seebarsch) und die irische paarweise Schleppnetzfischerei (Weißer Thunfisch) auf. Viele Jahre lang strandeten als Beifang ins Netz gegangene Delfine in großer Zahl vor allem im Winter an Frankreichs und Englands Küsten, was auf eine noch größere Mortalität auf dem offenen Meer  in dieser Region hindeutet.

In der Ostsee wird dem Schweinswal vor allem die Grundstellnetzfischerei zum Verhängnis. Vor dem Hintergrund seines bereits schlechten Erhaltungszustands in der Ostsee bestehen momentan große Zweifel an seinem Überleben in dieser Region. Dies gilt auch für das benachbarte Kattegat, wo ebenfalls von der Fischerei die größte Bedrohung auszugehen scheint.

Von uns durchgeführte oder unterstützte wissenschaftliche Projekte geben Auskunft über den Status der Gefährdung von Populationen – das ist entscheidend, wenn wir Bedrohungen aufdecken und beseitigen wollen. Wir wollen die Überwachung von Fischereiaktivitäten erreichen, um effiziente Kontrollen durchführen zu können.

Unser Bericht ‘Shrouded by the Sea’ befasst sich mit den Folgen von Beifang für Wale und Delfine aus Tierschutzperspektive. Der Bericht basiert auf Forschungsergebnissen der Universität Bristol, Großbritannien, und deckt erschütternde Details über die Anzahl der Wale und Delfine auf, die einen langsamen Tod finden und während ihres Kampfes unterwasser schwere Verletzungen erleiden.

Viele Delfine, die sich unterwasser in Fischereigerät verfangen, sterben einen Erstickungstod. Während die Länge des Todeskampfes sich von Tier zu Tier unterscheidet, so ist es doch wahrscheinlich, dass viele von ihnen länger leiden, als moralisch akzeptabel wäre.
Wale und Delfine können für eine lange Zeit die Luft anhalten. Der kleinste Schweinswal kann beispielsweise länger als fünf Minuten unterwasser bleiben, der Pottwal sogar länger als eine Stunde. Die Verletzungen bei Tieren, die als Beifang verendet sind, zeigen, dass viele von ihnen verzweifelt versuchen, ihrer Falle zu entkommen – und sich dabei schwere Verletzungen zuziehen.   

WDCS colleagues investigate the death of common dolphins in bycatch

Die schweren Verletzungen bei als Beifang verendeten Walen und Delfinen sind Zeichen eines schmerzvollen Kampfes unterwasser. Seile und Netze hinterlassen oftmals Schnitte und Hautabschürfungen und schneiden immer tiefer ins Fleisch, je verzweifelter das Tier zu entkommen versucht. In Extremfällen sind Brust-/Rückenflossen und Schwanzflosse (Fluke) gänzlich oder teilweise durch sich zusammenziehende Netze abgetrennt worden. Körper von beigefangenen Delfinen weisen zudem meistens zerstörte Zähne, gebrochene Kiefer oder Schnauzen und schwere innere Verletzungen auf.  

Große Wale, die sich in Fischereigerät verfangen haben, wurden mit großen Fleischwunden tief im Speck und sogar bis zu den Knochen gefunden. Da diese Tiere stark genug sind, um davon zu schwimmen und Fischereigerät hinter sich her zu ziehen, straffen sich die Seile immer weiter und fressen sich nach und nach in ihre Körper, was oftmals einen langsamen und schmerzhaften Tod zur Folge hat.

WDC fordert die verstärkte Entwicklung selektiver und nachhaltiger Fischereimethoden sowie für die Fischerei geschlossene Gebiete, denn dies kann die negativen Auswirkungen reduzieren und den Tod in Netzen verhindern. Wir sind mit unseren Experten in internationalen Gremien und Abkommen vertreten, um uns für eine nachhaltige Fischereipolitik einzusetzen.

Zusammenfassung des Berichtes ‘Shrouded  by the Sea’ (Englisch)

Gesamte Studie von Carl D. Soulsbury, Graziella Iossa und Stephen Harris von der  School of Biological Sciences, Universät Bristol, die Informationen der britischen Regierung über verendete Waltiere analysiert: 'The Animal Welfare Implications of Cetacean Deaths in Fisheries’ (Poseidon)'.

Meeressäuger und Fischerei im Ärmelkanal

Der westliche Ärmelkanal hat eine große Bedeutung für Wale und Delfine sowie auch für Fischarten, von denen viele für die kommerzielle Fischerei wichtig sind. In den Wintermonaten (von Oktober bis Mai) ist hier eine hohe Aktivität der Schleppnetzfischerei aber auch anderer Fischereien festzustellen, die sich mit einer relativ hohen Zahl an Walstrandungen zu dieser Zeit decken.

Wissenschaftler von WDC haben in den Wintermonaten der Jahre 2004 und 2005 im Rahmen eines Forschungsprojektes in den westlichen Ausläufern Bestände der Meeressäuger erfasst. Ziel war die Untersuchung der Delfin-, Tümmler- und Walbestände, die Überwachung der dortigen pelagischen Winterschleppnetzfischerei sowie die Überwachung die Interaktionen zwischen diesen Fischereiaktivitäten und den Meeressäugern.

Die Ergebnisse finden Sie hier (Englisch): Cetaceans and pelagic trawl fisheries in the western approaches of  the English Channel summary report of the 2004-2005 WDCS/Greenpeace winter surveys: a WDCS science report.

Deutsche Zusammenfassung: Meeressäuger und pelagische Schleppnetzfischerei
Im westlichen Ärmelkanal

Weitere Berichte:

The Net Effect - a review of cetacean bycatch in pelagic trawls and other fsheries in the northeast Atlantic ” review of cetacean bycatch in pelagic t

The Price of Fish”.